Bürolärm ist nicht nur eine Frage des Komforts. In einem lauten Großraumbüro sinkt die Konzentration, der Stresspegel steigt, und die Leistung bei konzentrationsintensiven Aufgaben kann um mehrere Dutzend Prozent nachlassen. Der normative Rahmen setzt hier klare Marken. Die DIN 18041 „Hörsamkeit in Räumen“ und die VDI-Richtlinie 2569 „Schallschutz und akustische Gestaltung in Büros“ definieren Zielwerte für Nachhallzeit, Hintergrundpegel und akustische Kategorien der Raumnutzung. Es folgen die Methoden, die den Lärmpegel tatsächlich senken und ihn nicht nur überdecken.

Was die Normen sagen

Die DIN 18041 ordnet Räume in Nutzungskategorien ein und gibt Zielwerte für die Nachhallzeit vor. Die VDI 2569 teilt Büros in Raumakustikklassen A, B und C ein, wobei Klasse A der höchste Standard für konzentrierte Einzelarbeit ist. In der Planung orientiert man sich üblicherweise an den folgenden Werten.

Art des Arbeitsplatzes Zielpegel LAeq
Konzentrationsarbeit, Verwaltung, klassisches Büro 40-45 dB
Kundenkontakt, Empfang, Sekretariat 45-50 dB
Räume mit IT-Geräten bis 50 dB
Besprechungsräume (empfohlener Grundgeräuschpegel) unter 40 dB

 

Der zweite wichtige Parameter ist die Nachhallzeit RT60. In Büroräumen liegt der empfohlene Wert bei 0,4-0,6 s, in Besprechungsräumen unter 0,5 s und in Telefonboxen unter 0,3 s. Je niedriger der RT60, desto klarer die Sprache und desto geringer die Belästigung für Nachbarn.

Woher der Bürolärm kommt

Den größten Teil des Grundgeräuschpegels erzeugen wir selbst. Viele kleine Quellen summieren sich, dazu kommt Lärm von außen.

Quelle Typischer Pegel
Lautes Gespräch in 1 m Abstand 60-70 dB
Telefonat in normaler Lautstärke 55-65 dB
Mechanische Tastatur 50-60 dB
Drucker oder Kopierer im Betrieb 55-70 dB
Klingelton eines Mobiltelefons 60-80 dB
Klimaanlage, mechanische Lüftung 35-50 dB
Straßenlärm (offenes Fenster, Hauptstraße) 55-75 dB

 

In einem typischen Großraumbüro pendelt sich der Grundgeräuschpegel bei 60-65 dB ein, also bereits oberhalb des Grenzwerts für konzentrierte Arbeit. Wandpaneele allein lösen das nicht ohne organisatorische Änderungen im Raum.

Büroakustik in Schichten

Eine wirksame Lärmreduktion im Büro ist keine einzelne Maßnahme, sondern ein mehrstufiger Ansatz. Grob unterscheidet man drei Ebenen.

Ebene Was gehört dazu Wirkung
Schalldämmung abgedichtete Türen, Fenster mit mindestens Rw=32 dB, Trennwände mit Dämmung reduziert Lärm aus benachbarten Räumen und von außen
Raumakustische Behandlung Wandpaneele, Deckenwolken, Teppichboden, Vorhänge verkürzt den Nachhall, verbessert Sprachverständlichkeit, reduziert Überlagerungen
Zonierung der Fläche Schreibtischtrennwände, Telefonboxen, Fokusräume physische und akustische Barrieren zwischen Arbeitsplätzen

 

Fehlt eine Ebene, ist die Wirkung begrenzt. Deckenpaneele helfen nicht, wenn Lärm durch eine undichte Tür aus dem Flur eindringt. Dämmung allein hilft nicht, wenn im Inneren der Nachhall 1,2 s beträgt und alle lauter sprechen, um sich zu verständigen.

Standtrennwände und Telefonboxen

Im Großraumbüro sind die Standtrennwände zwischen Schreibtischen und um Arbeitsplätze mit hohem Gesprächsaufkommen (Callcenter, Vertrieb, Recruiting) das wichtigste Zonierungswerkzeug. Gute Trennwände haben einen Kern aus Mineralwolle mit einem Bezug aus Akustikstoff und absorbieren dadurch von beiden Seiten, statt zu reflektieren. Eine Höhe von 1,4-1,6 m reicht für sitzende Arbeit; höhere Modelle über 1,8 m eignen sich für Steh-Arbeitsplätze.

Telefonboxen (Phone Booth, Focus Pod, Meeting Pod) sind eine eigene Kategorie. Vorgefertigte schallgedämmte Kabinen für Telefonate, Videokonferenzen oder konzentrierte Arbeit ohne Einfluss auf das übrige Büro. In der Planung rechnet man üblich mit einer Box pro 8-10 Personen im Open Space.

Deckensegel und abgehängte Paneele

Die Decke ist meist die größte zusammenhängende reflektierende Fläche im Büro und zugleich die am einfachsten zu behandelnde. Akustikwolken über den Arbeitszonen absorbieren die Reflexionen von oben und senken den RT60 im gesamten Raum spürbar. Die planerische Praxis rechnet mit 30-50 % Deckenabdeckung im Open Space, abhängig von der Raumhöhe und dem Deckenaufbau.

In kleineren Büros und Besprechungsräumen wirken Wandpaneele an den Erstreflexionspunkten (Wände hinter und gegenüber den Arbeitsplätzen) sowie Paneele hinter Beamer oder Bildschirm ebenso gut.

Ausstattung und Ausbau

Die meisten Büros verfügen bereits über einfache Werkzeuge, bevor Geld für professionelle Paneele fließt.

Element Wirkung
Teppichfliesen oder Teppiche in Arbeitszonen senken den Nachhall in den Höhen, dämpfen Schritte und Stuhlbewegungen
Vorhänge oder dichte Stoff-Rollos an Fenstern dämpfen Reflexionen am Glas
Gepolsterte Möbel und Stühle absorbieren im Sprachbereich
Pflanzen in Ecken und entlang von Verglasungen streuen und verbessern zudem das Mikroklima
Regale, Bücherwände, 3D-Dekoration auf leeren Wänden wirken als einfache Diffusoren

 

Zu begrenzen: glatte Glasfronten von Möbeln, verspiegelte Flächen, große ungeschützte Verglasungen, lackierte glatte Wandflächen über die volle Länge. Jedes dieser Elemente erzeugt starke Reflexionen und schiebt den RT60 nach oben.

Was Sie nicht tun sollten

Die akustische Bearbeitung eines Büros hat einige leicht zu übersehende Fallen. Überdämpfung lässt den Raum stumpf klingen, die Sprache verliert an Projektion, und die Mitarbeitenden reden unbewusst lauter, um sich zu hören. Ohne Zonierung, nur mit Deckenpaneelen, lassen sich Telefongespräche am Nachbartisch nicht abschirmen. Dünner Schaumstoff von 2-3 cm an der Wand vermittelt den Eindruck einer Bearbeitung, wirkt aber erst oberhalb von 1 kHz und lässt die menschliche Stimme praktisch unberührt.

Über die Akustik hinaus

Selbst die beste raumakustische Bearbeitung ersetzt keine grundlegenden organisatorischen Gewohnheiten. Stumme Benachrichtigungen in internen Chats, vereinbarte Fokuszeiten ohne Meetings, Telefonate in Boxen, Drucker und laute Geräte in einem eigenen Raum, Headset-Kultur bei Videokonferenzen. All das kostet nichts und senkt den Grundgeräuschpegel zusammen um mehrere dB.

Wann sich ein akustisches Projekt lohnt

Bei Büros ab 20 Arbeitsplätzen, in Callcentern und in Open-Space-Flächen mit mehreren Besprechungsräumen und Kollaborationszonen empfiehlt sich der Einstieg über akustische Messungen. Die Messung des RT60 und des Grundgeräuschpegels an mehreren Stellen liefert konkrete Zahlen, auf denen die Planung basiert. Eine akustische Simulation zeigt, welches Ergebnis eine bestimmte Anordnung von Paneelen und Trennwänden erreicht, bevor Geld in die Umsetzung fließt. Das ist der Standardansatz für anspruchsvolle Arbeitsumgebungen und häufig der einzige, der ein normkonformes Ergebnis garantiert.